Weltberühmt in Österreich

1. August 2022

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Wenn Ju“do“ im Japanischen für „der sanfte Weg“ steht und Aiki“do“ für „Weg der Harmonie“, dann bedeutet Ronival“do“ auf Portugiesisch wohl „Weg ins Tor“. Ein Weg der vorgezeichnet schien. Ronivaldo über Kopfballtraining von Kindesbeinen an, warum es so wenig brasilianische Fußballtalente nach Europa schaffen, göttliche Fügungen und warum sein Herz sich für Blau-Weiß entschieden hat. 

Beim Testspiel gegen ASKÖ Donau Linz wurde er vom Platzsprecher als Weltstar bezeichnet. Fakt ist, dass Ronivaldo wohl einer der bekanntesten Namen im blau-weißen Fußball seit Hugo Sanchez ist. Ein Königstransfer. Den Südamerikaner lässt das kalt – Ronivaldo ist bodenständig und geerdet und das, obwohl er meistens „abhebt“, wenn er Tore schießt. Ronivaldo Bernardo Sales wurde im Bundesstaat Ceará geboren und hatte lange den Spitznamen „Val Ceará“, den ihm sein Onkel verlieh. Und was machen Kinder in Brasilien? Sie spielen Fußball, oder ist das ein Klischee? „Nein, jeder spielt Fußball oder Volleyball. Alle fragen immer wieder warum so viele gute Kicker aus Brasilien kommen. Der Großteil der Brasilianer lebt in Armut und Fußball ist einer der wenigen Sportarten, die nichts kosten. Wenn du Basketball spielen möchtest, brauchst du besondere Schuhe, einen Ball und einen Korb. So brauchst du nur einen Ball. Es ist eben unser Nationalsport. Einjährige Kinder werden schon ins Stadion mitgenommen.“ 

Schon als Kind ein Kopfballmonster

Den wohl wichtigsten Ball seines Lebens, den ersten, bekam Ronivaldo mit vier Jahren geschenkt und in diesem Alter begann er seine „Spezialität“ zu trainieren – Kopfbälle. „Oft war es auf der Straße zu heiß, also habe ich im Schatten den Ball gegen eine Mauer geknallt und mit dem Kopf zurückgespielt.“ So wurde aus dem 1,73 Meter großen Roni ein wahres Kopfballungeheuer. Und er setzte auch sonst viel auf Köpfchen: „Ich werde oft gefragt, warum so wenig Brasilianer in Europa spielen trotz dieser enormen Qualität. Das liegt meist an der Mentalität. In Europa reicht es nicht alles niederzudribbeln, es braucht taktisches Verständnis und Disziplin. Diese Mentalität schlägt Schönheit. Die Karriere großartiger Spieler endet dann oft schon in der U19.“ Ronivaldo schaffte es weit über die U19 und nach Österreich. Sein Verein war zu einem Testspiel gegen Kapfenberg geladen und der KSV fand sofort Gefallen an dem damals 24-jährigen. Doch es spießte sich anfangs.

Von 35 Grad plus auf minus 6 „über Nacht“

Schließlich wechselte er für eine Ablösesumme von 11.000 Euro zu den Steirern. „Das war schon ein Schock. Zuhause hatte es 35 Grad und dann hatte es bei meinem ersten Spiel mit Kapfenberg 8 Grad, in der Nacht gar minus 6. Aber ich wollte bleiben egal ob es regnet oder schneit, heiß oder kalt ist.“ Und er blieb zwei Jahre, ehe er zur Wiener Austria wechselte. Dann ein weiterer Schock: Eine Verletzungsserie an Adduktoren, an der Leiste und am Schambein warfen seine Karriere zurück. Doch Pech im Spiel folgt bekanntlich Glück in der Liebe. Er lernte seine Frau kennen. „Das war verrückt. Ich ging in Vorarlberg in eine Kirche und sah sie das erste mal. Zwei Monate später waren wir verheiratet.“ Verrückt insofern, als dass auch sie aus Val Ceará stammt. Für den religiösen Ronivaldo ein Wink des Schicksals. „Es ist mir egal ob jemand an Gott glaubt oder nicht. Ich glaube an ihn und als ich meine Frau sah, wusste ich, dass Gott uns zusammengebracht hat.“ Seiner Frau widerfuhr das Gleiche. Und ein weiteres mal griff die göttliche Fügung in Ronivaldos Leben ein. „Ich dachte, dass meine Karriere zu Ende sei und ging mit meiner Frau zurück nach Brasilien, um mir einen Job zu suchen. Nach etwa zwei Wochen habe ich von Gott geträumt, der sagte: ´Du bist wieder fit´.“ Ich ging raus und lief eine Runde. Seitdem hatte ich nie wieder Schmerzen. Es war ein Wunder.“ Nach seiner Gesundung folgte er wieder den Ruf in seine zweite Heimat Österreich, dort wo er seine Frau kennenlernte, und ging nach Vorarlberg.

Das Herz sagte: Linz

Wundervoll dann auch seine Zeit bei Austria Lustenau. 78 Spiele, 62 Tore – Torschützenkönig und bester Spieler der zweiten Liga 2019 und 2020. Danach der Wechsel zu damals hochambitionierten Innsbruckern – der Ausgang ist bekannt. Und auch dort zeigte Ronivaldo Charakter. Er hätte schon sieben Spiele vor Ende der Meisterschaft den Verein verlassen können, blieb aber. „Sogar die Innsbrucker Fans haben gefragt: `Roni warum bleibst du noch?´. Ich blieb, weil ich einen Vertrag hatte, weil es mein Job war. In Brasilien bekam ich oft nur drei Monate pro Jahr bezahlt. Auch wenn es schwierig war, ich hatte einen Job zu machen.“ Den macht er nun im blau-weißen Dress. Trotz eines Angebots aus Lustenau war schnell klar, dass es ihn nach Linz zieht. „Der Verein hat ein Projekt und hat ein Ziel. Ich bin nicht mehr der Jüngste, deshalb war es mir klar zu einem Klub zu gehen der eine Vision hat. Das Komplettpaket war wichtig.“ Auch seine Frau zog sofort mit. „Unser Herz hat uns gleich gesagt: Gehen wir nach Linz“. Auch wenn er erst kurz in der Stadt ist, kennt er bereits einige Landsmänner und -frauen. „Es gibt in Linz eine große brasilianische Community, viele junge Familien mit Kindern.“ Apropos Kinder: Seine Tochter bekommt im Oktober ein Geschwisterchen. Seine Freizeit gehört daher ganz der Familie und selbst da spielt der Sport immer eine Rolle. „Spazierengehen oder Schwimmen, es ist immer irgendwas mit Bewegung dabei. Ich liebe Sport.“ 

Was ihr schon immer wissen wollt: Fragen aus der Blau-Weiß Community.

Wirst du in deiner Karriere mit Blau-Weiß noch in der Bundesliga spielen? Ronivaldo: „Wir wissen diese Saison wird sehr schwierig und kompliziert. Alle Gegner sind gegen uns extra motiviert. Unser Ziel ist es in den nächsten zwei Jahren in die Bundesliga zu kommen, und ich bin sicher, dass wir das schaffen werden.“

Wann wäre der berechnete Geburtstermin für dein zweites Kind? Hoffentlich ist es kein Spieltag. Ronivaldo: „Anfang Oktober. Doch selbst wenn es ein Spieltag wäre, würde ich spielen. Es wäre schön, wenn ich bei der Geburt dabei sein könnte, aber wenn ein Spiel ansteht, spiele ich zu 100 %. Beim ersten Kind war das ein Montag, da war es ganz easy.“

Schon so viele Jahre bei uns – dir gefällt die @2liga.at sehr gut, oder? Ronivaldo: „Alle fragen mich warum ich immer nur in der zweiten Liga und nicht in der Bundesliga spiele. Früher gab es einige Angebote, doch es hat nicht geklappt. Jetzt gab es auch das Angebot von Lustenau, aber es ist für mich interessanter in Linz. Nichtsdestotrotz hoffe ich, dass es die letzte Saison in der zweiten Liga ist und wir den Titel und Aufstieg holen.“ 

Bist du Fan eines bestimmten brasilianischen Klubs? Ronivaldo: „Ja. Mein Lieblingsclub ist Palmeiras Sao Paolo, da war ich in der U19 und U20. Sie sind aktuell Tabellenführer.“

Queremos saber quantos gols o Ronivaldo vai fazer nessa temporada? (Wieviele Tore wirst du in dieser Saison erzielen?): Ronivaldo: „Wenn die Mannschaft gewinnt, ist es egal wer die Tore macht, für uns ist wichtig das Spiel zu gewinnen. Wenn wir 1:0 gewinnen passt das schon – fertig. Für einen Stürmer sind natürlich viele Tore perfekt. Für das Team sind nur die drei Punkte wichtig.“ Service für den brasilianischen Fragensteller: „Se o time vencer não importa quem marca os gols nós é importante vencer o jogo. De vencermos por 1 a 0, tudo bem – é isso, não importa quantos gols. É caro que muitos gols são perfeitos para um atacante. Apenas os três ponto são importantes para a equipe.“

Warum bist du nach Linz gekommen? Ronivaldo: „Ich hatte zwei Angebote, mein Herz und meine Frau haben sich für Linz entschieden. Das klare Ziel und das neue Stadion sind natürlich interessant. Ich bin sicher, es war eine gute Entscheidung.“