Interview mit Sportdirektor Christoph Schößwendter
10. September 2025
Das Transferfenster ist seit Freitag geschlossen und der Kader des FC Blau-Weiß Linz für die Saison 2025/26 ist somit komplett. Sportdirektor Christoph Schößwendter hat sich daher Zeit genommen für ein Gespräch.
Das Transferfenster ist seit Freitag geschlossen. Daher erst mal die Frage, wie geht es dir nach dieser für Sportdirektoren anstrengenden und intensiven Zeit?
CS: „Die letzten Monate waren extrem intensiv. Seit Februar/März hat uns dieser Prozess begleitet und nun findet er sein Ende. Natürlich hat das viel Kraft und Energie gekostet, doch genau das macht meinen Job spannend: aktiv mitzugestalten und die Mannschaft weiterzuentwickeln. Umso größer ist jetzt die Erleichterung, dass kurzzeitig etwas Ruhe einkehrt und wir durchatmen können.“
Wie sieht dein erstes Fazit nach den ersten fünf Runden aus und was waren auch Erkenntnisse, die man hier mitnehmen konnte?
CS: „Nach fünf Runden können wir mit dem Start natürlich nicht zufrieden sein. Es gab mehrere Gründe, warum der Auftakt nicht so verlaufen ist, wie wir uns das erhofft hatten. Wichtig war für uns, die richtigen Schlüsse zu ziehen: Was hat nicht funktioniert, wo müssen wir ansetzen. Mit dem Cup-Spiel gegen Schwaz und vor allem dem Auftritt in Salzburg war aber klar zu erkennen, dass wir die richtigen Hebel betätigt haben und die Entwicklung wieder in die richtige Richtung geht. Der große Umbruch im Sommer mit neuem Trainer und vielen neuen Spielern braucht Zeit, auch wenn man sich wünscht, dass von Tag eins an alles funktioniert. Beunruhigt war ich jedoch nie. Wir haben viel analysiert, gesprochen und uns als Team zusammengerauft. Das Spiel in Salzburg hat gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und dass wir genau mit dieser Intensität und Entschlossenheit auch in den kommenden Wochen auftreten müssen.“
Nach dem Erreichen der Meistergruppe im letzten Jahr ist die Erwartungshaltung von außen teilweise gestiegen. Wie geht ihr damit um?
CS: „Es ist völlig normal, dass nach einer starken Saison die Erwartungen steigen. Letztes Jahr haben wir mit dem Einzug in die Meistergruppe etwas erreicht, das so nicht planbar war. Natürlich freut man sich darüber, gleichzeitig war uns aber schon früh bewusst, dass damit auch mehr Druck von außen kommt. Wir sind Blau-Weiß Linz, wir spielen erst unsere dritte Saison in der Bundesliga und dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen und welche Möglichkeiten wir haben. Umso bemerkenswerter ist es, dass wir uns gegen Klubs mit ganz anderen Ressourcen behaupten können. Entscheidend bleibt, Woche für Woche unsere Leistung abzurufen.“
Es gab im Sommer einige Abgänge. Was war hier die Strategie dahinter?
CS: „Kaderplanung läuft bei uns das ganze Jahr über. Wir haben eine starke Mannschaft, mussten aber feststellen, dass uns in der Breite etwas Qualität fehlt – was für einen Klub wie Blau-Weiß normal ist. Deshalb wollten wir gezielt nachschärfen: mehr spielerische Lösungen gegen tiefstehende Gegner, mehr Tempo in der Offensive. Gleichzeitig ist es uns gelungen, den Kern der Mannschaft zu halten und wichtige Verträge zu verlängern. Das ist für uns keine Selbstverständlichkeit ist und für einen Klub wie uns ist das ein großer Erfolg. Darauf können wir stolz sein. Rund um diesen Stamm braucht es dann punktuell Veränderungen, um die Entwicklung weiter voranzutreiben.“
Letztes Jahr hat man mit dem Erreichen der Meistergruppe den Klassenerhalt frühzeitig fixieren können. Konnte man die längere Planungszeit nützen bzw. inwiefern war sie hilfreich in der Kaderplanung?
CS: „Das frühe Erreichen der Meistergruppe war sehr hilfreich, weil wir dadurch mehr Zeit und Planungssicherheit hatten. So konnten wir Leistungsträger wie Manuel Maranda verlängern und schon früh ernsthafte Gespräche mit Neuzugängen führen. Zum Trainingsstart war der Kader bis auf wenige Positionen komplett, für uns keine Selbstverständlichkeit. Neben dem stabilen Kern haben wir spannende Spieler dazugewonnen. Diese Sicherheit im Frühjahr hat uns enorm geholfen, die Mannschaft gezielt weiterzuentwickeln.“
Wie bewertest du die Sommertransfer bisher, wie zufrieden bist du mit der Leistung?
CS: „Wenn man nur auf die Tabelle schaut, könnte man meinen, unser Kader sei nicht stark genug. Dem widerspreche ich klar. Wir haben viele spannende Spieler dazubekommen, angefangen beim Tormann Viktor Baier, der bisher einen sehr guten Job macht und Radek Vitek kaum vermissen lässt. Natürlich brauchen neue Spieler Zeit, um sich an unsere intensive Spielweise zu gewöhnen. Manche adaptieren in wenigen Wochen, andere brauchen Monate. Das ist normal, denn wir arbeiten mit klaren Prinzipien und Abläufen. Wichtig ist, dass die Mannschaft als Ganzes funktioniert – und das spüre ich deutlich. Nach fünf Spielen ist es daher zu früh, ein endgültiges Urteil über die Transfers zu fällen. Insgesamt habe ich aber ein sehr positives Gefühl. Mit dem neuen Trainer, seinem Team und auch den Neuzugängen entwickelt sich die Mannschaft in die richtige Richtung. Was ich aus der täglichen Arbeit sehe, stimmt mich sehr optimistisch: Wir haben eine Truppe mit großem Herz, starkem Charakter und einem engen Zusammenhalt. Genau diese Grundwerte braucht es, um erfolgreich sein zu können.“
Kurz vor dem Trainingsstart verließ Gerald Scheiblehner den FC Blau-Weiß Linz und ging ins Ausland. Man musste sich daher auf die Suche nach einem neuen Trainer machen. Wie ist der Prozess der Trainersuche abgelaufen?
CS: „Die Trainersuche war sehr intensiv und zeitaufwendig. Durch unseren Erfolg im Vorjahr war klar, dass unser Trainer Begehrlichkeiten weckt. Der Zeitpunkt war natürlich nicht ideal, aber es gibt ohnehin nie den perfekten Moment für einen Wechsel. Wir haben sofort Gespräche geführt, Informationen eingeholt und viele Kandidaten geprüft. Interessant war, dass sich auch Trainer aktiv bei uns gemeldet haben – ein Zeichen, dass sich Blau-Weiß Linz inzwischen einen Namen gemacht hat. Wichtig war mir, jemanden zu finden, der zu unserem Spielstil passt und den eingeschlagenen Weg fortsetzt, ohne alles umzukrempeln. Am Ende blieben vier, fünf Kandidaten übrig, mit denen wir ausführliche Hearings geführt haben. Wir waren uns schnell einig, und die Wahl fiel klar auf Mitja. Damit hatten wir genau den Trainer gefunden, der zu uns passt.“
Wie zufrieden bist du mit seiner aktiven Arbeit bis jetzt?
CS: „Ich bin bei vielen Trainings am Platz dabei, gerade zu Saisonbeginn, um die Stimmung und die Abläufe genau mitzubekommen. Was ich sehe, stimmt mich sehr positiv. Mitja arbeitet akribisch, führt unseren Weg klar und hat einen hervorragenden Draht zur Mannschaft. Er überzeugt sowohl fachlich als auch menschlich, was enorm wichtig ist. Die Spieler nehmen seine Arbeit an, und das Zusammenspiel zwischen Trainer, Betreuerteam und Mannschaft funktioniert sehr gut. Das gibt mir viel Ruhe und Zuversicht.“
Der Trainer hatte nicht die volle Vorbereitung zur Verfügung. Inwiefern hatte das einen Einfluss auf den Saisonstart?
CS: „Natürlich war die Situation nicht einfach. Ein Trainerwechsel kurz vor Saisonstart braucht Zeit, bis sich neue Abläufe und Beziehungen eingespielt haben. Wichtig war, dass mit Andi Gahleitner und Daniel Rozsa zwei Trainer im Team geblieben sind, sodass beim Start sofort eine klare Linie vorhanden war. Klar ist auch: Jeder Trainer bringt eine andere Ansprache und Herangehensweise mit. Das wirkt sich auf die Spieler aus, manche müssen ihre Rolle neu finden. Gerade nach den ersten negativen Ergebnissen war das spürbar. Aber wir haben Fehler offen angesprochen und intensiv kommuniziert. Das Cup-Spiel und vor allem die Leistung in Salzburg haben gezeigt, dass die Mannschaft wieder in die richtige Richtung geht. Für mich zählt: Leistung und Einsatz müssen stimmen, dann kommen auch die Ergebnisse. Genau daran arbeiten alle im Klub – Spieler, Trainerteam und Betreuer – Woche für Woche.“
Wie du bereits angesprochen hast, ist der Start nicht nach Wunsch verlaufen, aber speziell gegen Salzburg hat man die Entwicklung der Mannschaft gesehen. Was stimmt dich im Hinblick auf die nächsten Runden positiv?
CS: „In Salzburg hat man zum ersten Mal in dieser Saison wieder richtig gesehen, wofür Blau-Weiß steht: Leidenschaft, Mut, Intensität und Zusammenhalt. Die Mannschaft hat alles investiert, um dem Gegner das Leben so schwer wie möglich zu machen – genau dieses Gesicht haben wir uns in den letzten Jahren erarbeitet. Besonders positiv war, dass die Spieler wieder Selbstvertrauen ausgestrahlt haben, mutig aufgetreten sind und Rückschläge weggesteckt haben. Auch wenn es am Ende nur ein Punkt war, war dieser Auftritt ein klares Signal: Wir sind auf dem richtigen Weg und können die kommenden Wochen mit Zuversicht angehen.“
Welche Botschaft möchtest du den Fans mitgeben?
CS: „Blau-Weiß Linz ist mir in den letzten Jahren extrem ans Herz gewachsen. Ich bin unglaublich gern hier, weil man spürt, wie viel Leidenschaft und Einsatz in diesem Klub steckt. Gemeinsam haben wir viel erreicht – sportlich, aber auch mit unserem neuen Stadion, wo ihr immer für eine außergewöhnliche Stimmung sorgt. Es ist auch schön zu sehen, wie groß der Fanzuwachs in den letzten Jahren war und ist. Mein Wunsch an die Fans ist, diese Energie und dieses Vertrauen weiterzugeben. Es geht in erster Linie um die Mannschaft, die Woche für Woche alles investiert. Eure Unterstützung, eure Lautstärke und diese besondere Stimmung im Stadion machen oft den entscheidenden Unterschied. Wenn wir diesen Zusammenhalt beibehalten oder sogar noch verstärken, bin ich überzeugt, dass wir noch viele großartige Momente gemeinsam erleben werden.“
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